Massage mit Trockenbürste

Gerade beim Lipödem ist es von absoluter Notwendigkeit, die Haut optimal zu pflegen. Eine meiner bevorzugten Methoden ist die Massage mit einer Trockenbürste, da diese einfach, kostengünstig und – in der heutigen Zeit besonders wichtig – nicht zeitintensiv ist.

Die indirekte Wirkung hängt mit dem Lymphsystem des Körpers zusammen, welches aus Lymphkapillaren und -gefäßen besteht. Trockenbürsten ist eine gute Möglichkeit, um diese Kapillaren zu stimulieren und die Bewegung der Lymphflüssigkeit zu fördern. Auch die Aktivität der Lymphknoten wird durch das Trockenbürsten aktiviert.

Wirkung:

  • hauterneuernd, -regenerierend, -tonisierend
  • hautstoffwechselanregend und entschlackend
  • psychisch aktivierend, wohltuend, leistungssteigernd
  • abhärtend, Infekt vorbeugend, vegetativ stabilisierend

Was wird dazu benötigt?

  • Bürste (Naturfaser, Sisal) mit Schlaufe oder Handgriff, erhältlich in Migros, Coop, Müller Drogerie, etc.
  • oder ein raues Handtuch
  • 5min Zeit

Besondere Bemerkungen:

  • am besten morgens vor offenem Fenster bzw. nach Lüftung ausführen
  • bei abendlicher Anwendung können Einschlafstörungen auftreten
  • es wird trocken über den Körper gebürstet, am besten vor der Dusche oder dem Bad
  • immer in Richtung Herz zu bürsten, um einen gesunden Lymphfluss zu fördern
  • nach der Massage die Haut mit einer verwöhnenden Crème oder einem Öl einreiben, da sie nun aufnahmefähiger ist

Vorgehen/Technik:

  • Schritt 1: mit kreisenden Bewegungen oder kurzen Strichen auf dem Fussrücken anfangen
  • Schritt 2: mit den Beinen weiter machen, dann mit den Händen und Armen (immer in Richtung Herz bürstend)
  • Schritt 3: den ganzen Rücken, die Schultern und den Hals bürsten
  • Schritt 4: größere Bewegungen gegen den Uhrzeigersinn auf dem Bauch machen

Wichtig:

  • bei Akne, entzündeter/verletzter Haut oder Sonnenbrand die betroffenen Stellen auslassen
  • Vorsicht bei Krampfadern sowie Besenreiser, die betroffenen Stellen auslassen
  • nicht geeignet bei Nervosität

Viel Vergnügen!

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Kostengutsprache bei einem Lipödem: Vorlage eines Gesuches 

Die Erfahrung zeigt, dass vermutlich der Text des Arztes und weniger der Befund am Patienten entscheidet, ob eine Kostengutsprache für die Absaugung eines Lipödemes erfolgreich ist. Anbei findet sich ein Beispieltext, der schon zu mehreren Kostengutsprachen geführt hat. Auch die Beilegung des “Anhangs“ macht Sinn und erklärt die Erkrankung auf eine sehr professionelle Art. Meine Patienten erhalten im Rahmen einer Kostengutsprache beide Schreiben.

Was können Sie damit tun?

Sie können den Text kopieren und an Ihren behandelnden Arzt weitergeben, damit er über eine Vorlage verfügt. Oftmals zeigen sich Ärzte dann “williger“ eine Kostengutsprache zu formulieren. Natürlich muss er das persönliche Schreiben an die Krankenkasse umformulieren.

Ich wünsche Ihnen mit diesem Schreiben viel Glück für eine Kostengutsprache Ihrer Liposuktion.

Ihr Dr. med. Nikolaus Linde

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Gesuch: Kostengutsprache Liposuktion Lipödem

Sehr geehrte Damen und Herren

Ihr obengenanntes Krankenkassenmitglied leidet an einem ausgeprägten, symptomatischen Lipödem, also einer konstitutionellen Fettverteilungsstörung an den Beinen, die mit ausgeprägter Schwellungstendenz, unangenehmer Druckempfindlichkeit, Stauungsbeschwerden, Müdigkeitsgefühl und Hämatomneigung einhergeht.

Alle therapeutischen Möglichkeiten, die die Patientin selbst durchführen kann, wie diätische Massnahmen oder auch sportliche Aktivitäten wurden schon voll ausgeschöpft, ohne dass eine Besserung eingetreten wäre.

Auch konservative Massnahmen wie Lymphdrainage, medikamentöse Therapie (Venentherapeutika) und das Tragen von Kompressionsmaterialien brachten keine echte Linderung der Beschwerden, geschweige eine Verbesserung der Lebensqualität.

Die Patientin ist abgesehen von der lokalen Symptomatik so stark in ihrem Selbstwertgefühl eingeschränkt, dass depressive Züge erkennbar sind, die wahrscheinlich in den nächsten Monaten progredient zunehmen werden (mit entsprechenden Kostenfolgen).

Nach Ausschöpfung aller konservativen Möglichkeiten der Behandlung ist meiner Ansicht nach die Fettabsaugung (Liposuktion) die Methode der Wahl. Hierdurch würde die Schwellungstendenz mit den dadurch bedingten Beschwerden massiv – wenn nicht total – verbessert werden, so dass weitere konservative Behandlungsmassnahmen unnötig würden.

Einzelbeobachtungen zeigen permanente derartige Ergebnisse über 25 Jahre. Eigene Erfahrungen mit über 3000 Lipödem-Patienten (über einen Zeitraum von 17 Jahren) ergaben dasselbe Erfahrungsbild: Beschwerdefreiheit sowie eine massive Verbesserung der Lebensqualität und zwar langfristig ohne Rezidiv. Die Erfahrung zeigt, dass Lipödem Patienten nach einer Fettabsaugung im Durchschnitt 8-12 kg dauerhaft abnehmen, während die Patienten, die keine Absaugung hatten und nur konservativ behandelt wurden, in der Regel pro Jahr 3-5 kg zunehmen, was letztendlich in einer Adipositas per magna mit entsprechenden Begleiterkrankungen resultiert.

Ihre obengenannte Patientin würde massiv von einer Fettabsaugung ihres Lipödems profitieren, weswegen ich Sie um eine Kostengutsprache bitte.

Für Fragen stehe ich oder Ihre Kundin gerne jederzeit zur Verfügung.

Mit den freundlichste Grüssen,

Ihr Dr. med. Nikolaus Linde

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Sommerzeit – Leidenszeit

Mit den ersten Hitzetagen im Jahr beginnt auch wieder die Leidenszeit für Lipödem- Patienten: Schwellungen, Stauungsgefühle, schwere Beine und Schmerzen machen den Betroffenen die Zeit zur Hölle, die andere die schönste Jahreszeit nennen.

Besonders jetzt sollte die Erkrankung mit konservativen Massnahmen wie Lymphdrainage, Medikamente und je nach Leidensdruck einem Strumpf unterstützt werden. All diese Massnahmen ändern am Lipödem selbst nichts, Beschwerden können hiermit allerdings massiv verbessert werden.

Die Lymphdrainage kann je nach Ausprägung maschinell durch ein 12 Kammer System, die Endermologie (Saug-Roll-Massage) oder auch durch die manuelle Lymphdrainage erfolgen. Medikamentös kann die Behandlung durch sogenannte Venentherapeutika wie Extrakte aus der Rosskastanie, dem roten Weinlaub oder dem Steinklee ergänzt werden. Die Kompressionsbehandlung rundet die Massnahmen ab. Je nach Beschwerden und Ausmass des Befundes gilt es, die für den Patienten beste Therapie zusammen zu stellen.

Sollten diese drei Säulen nicht ausreichen, können die Carboxytherapie und Enzympräparate das Konzept ergänzen. Eine weitere Alternative ist die Absaugung des krankhaften Fettgewebes – diese ist derzeit die einzige Behandlungsmethode, die einen dauerhaften Erfolg garantiert. Eine Absaugung ist auch im Sommer möglich, allerdings ist dabei zu beachten, dass nach dem Eingriff für 2-4 Wochen ein kniehoher Strumpf getragen werden muss.

Während fast alle erwähnten Behandlungen von den Krankenkassen bezahlt werden, muss die Fettabsaugung selbst getragen werden.

Die optimale Ernährung bei einem Lipödem

Häufig haben Lipödem-Betroffene das Gefühl, dass jeder Bissen direkt an den Beinen, am Gesäss oder/und an den Armen hängen bleibt; dies trifft jedoch nur bedingt zu. 

Richtige ErnährungZu Beginn eines Lipödems wird häufig eine massive Gewichtszunahme von mehreren Kilos innert weniger Wochen beschrieben. Solche Schübe können − müssen aber nicht − im Krankheitsverlauf immer wieder in unregelmässigen Abständen auftreten, auch ohne Einflüsse von aussen. Ist ein Lipödem erst einmal vorhanden, kann mit einer ausgewogenen, gemüsereichen Ernährung zusätzliches Übergewicht vermieden werden. Wichtig ist, dass regelmässig gegessen wird und keine zu grossen Schwankungen bezüglich der Kalorienmenge bestehen. Also: Keine Mahlzeiten auslassen, um zu einem späteren Zeitpunkt von einer Heisshungerattacke überwältigt zu werden!

Die Ernährung sollte ausgewogen sein und alle Makronährstoffe wie Kohlenhydrate, Proteine sowie gesunde Fette enthalten. So gesehen unterscheidet sich die optimale Ernährung bei einem Lipödem nicht von einer allgemein empfohlenen Ernährung. Es ist von Vorteil auf Weissmehl, Zucker und fettreiche Lebensmittel soweit wie möglich zu verzichten. Ideal sind Kohlenhydrate aus Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten sowie Gemüse und Früchten. Sie machen bedeutend länger satt und verhindern einen hohen Anstieg des Zuckerspiegels. Wird über längere Zeit zu wenig Kohlenhydrate konsumiert, kann es vermehrt zu Essattacken sowie depressiven Verstimmungen kommen. Ein Mindestanteil der Kohlenhydrate von 30% des gesamten Tagesbedarfs ist deshalb einzuhalten.

Tagesbeispiel:

ca. 30% Kohlenhydrate (KH) bei täglich 2000kcal = ca. 660 kcal entspricht 165g KH 

  • 45g Haferflocken (26g KH), 60g Vollkornbrot (27g KH), 25g Konfitüre (14 g KH)
  • 80g Vollkornteigwaren (53g KH), 500g Gemüse (ca. 20g KH)
  • 250g frische Früchte (ca. 30 KH)
  • 4 Stk. getrocknete Mangoschnitze (22.5 KH)

Wählen Sie für Ihre Mahlzeiten frische Produkte, kein “Convenience Food“ (Fertigprodukte). Achten Sie auf saisonale, regionale Gemüsesorten und Früchte − diese enthalten mehr Vitamine als weitgereiste, da sie reif gepflückt werden und schnell beim Konsumenten sind. Geniessen sie 3x pro Tag eine Handvoll Gemüse und 2x pro Tag eine Handvoll Früchte.

Für eine ausreichende Proteinversorgung, essen Sie 2 bis 3x pro Woche mageres Fleisch je 100 bis 120g (idealerweise lassen Sie Wurstwaren, fettreiches und paniertes Fleisch weg), 1 bis 2x pro Woche Fisch je 100 bis 120g, 2 bis 3x pro Woche Hülsenfrüchte in allen Variationen, je 60g bis 80g. 3x täglich ungezuckerte Milchprodukte wie 100g Hüttenkäse, 2dl Milch, 30g Käse oder ein Naturjogurt, das Sie z.B. mit Beeren verfeinern.

Verwenden Sie nur wenig − dafür hochwertige, gesunde − Öle. Zum Braten ist Olivenöl empfehlenswert, für die kalte Küche eignen sich besonders kaltgepresstes Rapsöl, Olivenöl, Baumnussöl oder Leinöl. 1g Öl pro Kilo Körpergewicht ist eine gängige Leitlinie in der modernen Ernährung.

Beispiel: bei einem Körpergewicht von 70kg beträgt die Gesamtfettmenge pro Tag 70g (inkl. der versteckten Fette). Mehrfach ungesättigte Fette und Öle sind für die Zellerneuerung unerlässlich.

Die Ernährung an einem Tag könnte beispielsweise so aussehen:

  • 10g Butter für das Frühstück
  • 10g (1 Essl.) Öl für den Salat
  • 10g (1 Essl.) Öl zum anbraten oder dünsten
  • 40g Fette und Öle, die nicht sichtbar in Produkten enthalten sind (Gebäck, Milchprodukten, Fisch usw.)

Wenn Sie an einem Lipödem leiden, ist es sehr wichtig, wieder Vertrauen in Ihren eigenen Körper zu fassen. Dieses Vertrauen neu aufzubauen braucht Zeit und sollte in Begleitung einer Ernährungs-Fachperson, die auch die psychologischen Aspekte in die Beratung einbezieht, durchgeführt werden.

Dies ist ein Gastbeitrag von Frau Heidi Schmid, Initiatorin der Selbsthilfegruppen Lipödem Schweiz und Ernährungsberaterin. Kontaktaufnahme unter www.pebs.ch

Sport und Bewegung gegen Lipödemleiden

Das Lipödem widersteht grundsätzlich allen Anstrengungen im Fitness-Studio. Zwar nimmt die körperliche Leistungsfähigkeit zu und die Muskeln wachsen, aber das Lipödem – d.h. die Fettverteilungsstörung – zeigt sich davon im Prinzip unbeeindruckt. Ganz im Gegenteil: Durch den Muskelaufbau wird das Bein- oder Armvolumen sogar noch erhöht, die Masse nimmt zu. Dies frustriert und verunsichert viele Patienten, da sie nicht richtig über das Krankheitsbild aufgeklärt wurden und sich mit falscher Hoffnung in das Bewegungsabenteuer stürzen.

Fakt ist, dass Sport die Symptome und die Beschwerden der Erkrankung massiv verringern kann. Aus diesem Grund empfiehlt sich regelmässige Bewegung, auch wenn diese per se nicht zu dünnen Beinen führen wird.

Sportliche Betätigung regt die Wadenmuskulaturpumpe an, was den Abtransport von venösem Blut/Lymphe aus dem Beingewebe optimiert und gleichzeitig die Flüssigkeitsdurchlässigkeit der Kapillaren verbessert. Alles was mit der Bewegung der Beine zu tun hat, verbessert die Schwellungstendenz und Symptomatik in den Beinen.

Grundsätzlich spielt der durchgeführte Sport keine grosse Rolle, Hauptsache Bewegung! Ideal wäre es, wenn das Sprunggelenk bewegt und der Fuss gut abgerollt wird; dieses Bewegungsmuster führt fast immer zu einer Linderung der Beschwerden sowie einer Reduktion der Schwellungstendenz in den Beinen. Wandern, Walking, Nordic Walking, Joggen, Aquafit, aber auch Tanzen und weitere Sportarten, die die Beine bewegen, sind deshalb besonders zu empfehlen.

Wer keine Zeit für Sport hat, kann die Muskelwadenpumpe durch das Tragen eines speziellen Schuhes betätigen. Der MBT (Massai Barfuss Technologie) Schuh bringt vielen Patienten eine massive Linderung der Beschwerden, weil bei jedem ganz normalen Schritt im Sprunggelenk optimal abgerollt und die Wadenmuskelpumpe somit bestens betätigt wird. Inzwischen gibt es einige Nachahmermodelle, die ebenfalls sehr wirksam sein können. Am besten probieren Sie mehrere Schuhe aus, um das Modell zu finden, in dem Sie sich am wohlsten fühlen.

 

Machtlos gegen starke Fettschwellungen – Die Selbsthilfegruppe gegen das Lipödemproblem

Das Lipödem ist eine unheilbare Krankheit, die sich in unerklärlichen, starken und schmerzhaften Fettschwellungen am Körper äußert  Operationen können helfen – doch die Krankenkasse bezahlt nicht.

März 2011: Heidi Schmids Beine schwellen von einem Tag auf den anderen stark an. Innerhalb weniger Wochen nimmt die heute 45-jährige Grabserin sechs Kilo zu. « Ich hatte damals keine Ahnung wieso», sagt sie heute. Als angehende Ernährungs-Psychologische Beraterin ernährt sie sich ausgewogen. Aus Angst, weiter an Gewicht zuzunehmen, traut sie sich kaum mehr zu essen. Doch keine Diät hilft. Die immer dicker werdenden Beine schmerzen und sind sehr berührungsempfindlich. «Ich hielt nicht einmal mehr die Bettdecke auf den Beinen aus», erzählt Heidi Schmid. «Nach mehreren Monaten erhielt ich von einem Angiologen, einem Gefässspezialisten, die Diagnose Lipödem Stadium 1. Ich war geschockt, denn das Lipödem gilt bis heute als nicht heilbar.»

Das-LipödemDas Lipödem, auch Fettschwellung genannt, wird in Fachbüchern als eine nicht ernährungsbedingte Fettverteilungsstörung, die vor allem Beine, Gesäss und etwas seltener die Arme betreffen kann, beschrieben. Wenn das Lipödem nicht oder zu spät behandelt wird, entsteht eine starke Diskrepanz zwischen schmalem Oberkörper und stark ausgeprägtem Unterkörper. Die Betroffenen – vorwiegend Frauen – leiden unter starken Schmerzen, Berührungsempfindlichkeit und der Neigung zu blauen Flecken. Auch Serena Schütz-Orlando ist an einem Lipödem erkrankt. Bei ihr wurde die Krankheit 2003 bei einer normalen Venenkontrolle diagnostiziert. «Ich war fassungslos, da mir dieses Krankheitsbild völlig unbekannt war», sagt sie. Ihr damaliger Hausarzt konnte der heute 37-Jährigen nicht weiterhelfen. «Ich erhielt lediglich eine Info-Broschüre.» Beide Frauen recherchieren im Internet und werden fündig. Serena Schütz-Orlando wendet sich an eine Angiologin in Graubünden. Die Ärztin verschreibt ihr Kompressionsstrumpfhosen, die sie täglich tragen muss. «Um diese anzuziehen, brauche ich zwei weitere Hände!» Auch Heidi Schmid trägt seit der Diagnose eine Kompressionsstrumpfhose. «Zwar nahm ich nicht weiter an Gewicht zu, trotzdem war die konservative Behandlung für mich sehr unbefriedigend.» Bei einem erfahrenen Arzt in St. Gallen liess sie sich an beiden Beinen das krankhafte Fett entfernen. «Seither sind meine Beschwerden deutlich weniger geworden.»

Lipödembehandlung-Anerkennung-KrankenkasseBei ihrer Krankenkasse stösst Heidi Schmid auf Ablehnung. Das Lipödem ist bei vielen Ärzten und Krankenkassen noch nicht als Krankheit bekannt, wird als ästhetisches Problem abgetan und somit nicht im Leistungskatalog aufgeführt. Die Kosten für die Operation müssen die Betroffenen selber tragen. Die Selbsthilfegruppe verfolgt nebst Hilfe für Betroffene weitere Ziele. «Wir wollen Ärzte, Physiotherapeuten und die allgemeine Gesellschaft sensibilisieren», sagt Serena Schütz-Orlando. «Ausserdem wollen wir erreichen, dass die Krankenkassen das Lipödem als Krankheit anerkennen.» Den Schritt an die Öffentlichkeit wagen sie bewusst. «Wir wollen kein Mitleid», betonen beide. «Wir wollen auf diesen Missstand im Schweizer Gesundheitssystem aufmerksam machen und erhoffen uns, durch die vielen Betroffenen Gehör bei den Krankenkassen zu verschaffen.» !

Ein Lipödem ist meistens mit starken Schmerzen und Wassereinlagerungen verbunden und kann von einem Spezialisten gut von normalem Übergewicht unterschieden werden. Da ein Lipödem nicht heilbar ist, trägt Heidi Schmid auch nach dem operativen Eingriff weiterhin täglich ihre Kompressionsstrümpfe. So kann sie das gute Ergebnis hoffentlich lange halten, denn eine Schwellneigung bei längerem Sitzen und Stehen ist geblieben. Durch die Sensibilisierung der Physiotherapeuten, Ärzte und der Gesellschaft wollen Serena Schütz-Orlando und Heidi Schmid den Druck auf die Krankenkassen erhöhen. Auch sind sie sich sicher, dass ein nicht oder zu spät behandeltes Lipödem das Gesundheitswesen viel stärker belastet. Die Folgen bei zu später Behandlung reichen von maddeligen Fettüberlappungen bis zu Depressionen.

Heidi Schmid beginnt im Mai 2012 mit dem Aufbau einer Lipödem-Selbsthilfegruppe und verteilt Flyer in Arzt- und Physiotherapie-praxen, Apotheken, Drogerien und Fitnesscentern. Serena Schütz-Orlando meldet sich. Nach einem Treffen beschliessen die Frauen, das Projekt «Lipödem Selbsthilfegruppe Rheintal» gemeinsam zu realisieren. Mittlerweile betreiben sie eine Homepage und haben bereits ein erstes Treffen mit Betroffenen durchgeführt. «Wir erhalten E-Mails und Anrufe von Betroffenen aus der ganzen Schweiz», sagt Heidi Schmid.

© 2007 Copyright Tagblatt Medien

Mit Carboxytherapie gegen Schmerzen beim Lipödem

Lipödeme können entweder nur ästhetisch stören oder aber sehr stark schmerzen. Schweregefühle, Schwellungstendenz sowie Berührungs- und Druckempfindlichkeiten sind nur einige der Symptome, die von Patienten angegeben werden.

Gegen die Beschwerden helfen in einer ersten Stufe Behandlungen wie der Kompressionsstrumpf, die manuelle Lymphdrainage (und ihre Kombination) sowie Medikamente etc.

Neu kann auch Carboxytherapie erfolgreich gegen Beschwerden eingesetzt werden. An der Innenseite des Beines wie auch in der Wadenregion wird mit einer feinen Nadel Kohlendioxidgas unter die Haut eingeführt, das dort vor Ort zu einer starken Durchblutungsanregung und Sauerstoffanreicherung führt. Das Ergebnis ist ein besserer Lymphabfluss. Die Folge: Die Beinschwellung nimmt ab, die Beschwerden werden gelindert und verschwinden sogar oftmals vollständig. Je nach Intensität der Symptome benötigt es 4-10 Behandlungen, manchmal auch mehr, bis sich die gewünschten Effekte einstellen. Eine Therapiesitzung dauert ca. 30 Minuten, und direkt danach kann der Patient wieder an die Arbeit zurück, Sport treiben etc. etc.

Die Kosten betragen CHF 80 pro Sitzung, die Krankenkassen bezahlen diese Behandlung im Rahmen einer Zusatzversicherung für Naturheilverfahren.

Wie können Lymphödem und Lipödem voneinander unterschieden werden?

Das Lipödem ist eine chronische, symmetrische Zunahme von Unterhaut-Fettgewebe, das meistens nur bei Frauen auftritt. Am häufigsten sind dabei die Beine betroffen, das Lipödem kann jedoch auch an den Armen auftreten. Obwohl das Lipödem nicht durch eine Störung des Lymphsystems verursacht wird, wird es sehr oft mit einem Lymphödem verwechselt.

Primäres bilaterales Lyphödem
Primäres bilaterales Lymphödem

Es bestehen eindeutige Differenzen zwischen einem Lip- und einem Lymphödem:

Während das Lipödem beide Beine symmetrisch befällt, betrifft das Lymphödem meist nur ein Bein. Mittels eines „Stemmer-Tests“ kann einfach untersucht werden, ob ein Lymphödem vorliegt. Bei diesem Test wird die Haut auf der Oberseite des ersten kleinen Zehens (neben dem grossen Zeh) mit dem Zeigefinger und dem Daumen zusammen gedrückt. Wenn dabei die zusammengedrückte Haut nicht richtig greifbar wird, bzw. sich nicht nach oben ziehen lässt (da bereits Bindegewebeablagerungen unter der Haut dies verhindern), ist der Stemmer-Test positiv und es handelt sich um ein Lymphödem.

Fatty nodules in lipedema
Fettauffaltungen

Die Unterschiede auf einem Blick:

Lipödem Lymphödem
symmetrische Beinschwellung meist einseitige Beinschwellung
Füsse nicht betroffen Füsse sind betroffen
negativer Stemmer-Test positiver Stemmer-Test
Gewebe unregelmässig, weich Gewebe relativ fest, regelmässig
schmerzhaft bei Berührung generell nicht schmerzhaft
leicht quetschbar nicht quetschbar

 Stemmar-Test Lymphödem
Positiver Stemmer-Test links

Was Sie selbst gegen eine Fettverteilungsstörung (Lipödem) tun können

Falls Sie vom Lipödem betroffen sind, so gibt es einiges, das Sie selbst gegen die Symptome und eine Verschlimmerung der Krankheit tun können. Besonders die Ernährung spielt für den Verlauf eine wichtige Rolle.

1
Übergewicht stellt zwar nicht die Ursache für ein Lipödem dar, ist jedoch nicht günstig für den Verlauf. Versuchen Sie ein normales Gewicht anzustreben. Stellen Sie Ihre Ernährung um, so können Sie eine Verschlechterung des Lipödems vorbeugen.

2
Meiden Sie fette und stark zuckerhaltige Speisen, greifen Sie lieber zu mageren Wurst-, Fleisch- und Käsesorten. Geflügel und Fisch sollten regelmässig auf Ihrem Speiseplan stehen. Gehen Sie sparsam mit Salz um, besser sind reichlich frische Kräuter. Magere Milchprodukte sind ebenfalls sehr zu empfehlen.

4
Mindestens 3 bis 5 Portionen frisches Obst oder Gemüse sollten Sie täglich zu sich nehmen.

5
Beginnen Sie Ihren Tag mit einem zuckerfreien Müsli, und greifen Sie lieber zu Vollkornprodukten. Meiden Sie Weißmehlbrot wenn immer möglich.

6
Zu einer Ernährungsumstellung gehört es auch, Sport zu treiben. Schwimmen, Walken, Fahrradfahren oder Skilanglauf im Winter wirkt sich günstig auf Ihr Lipödem aus.