Häufige Fragen zum Thema Fettabsaugung eines Lipödems

Dr. Linde mit PatientInterview mit Dr. Nikolaus Linde, einem der führenden Schweizer Venen- und Lipödemspezialisten, zum Thema “Fettabsaugung eines Lipödems”. Dr. Linde ist Präsident der Lipödem Liga Schweiz.
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Dr. Linde: Wie finde ich den besten Arzt für die Absaugung meines Lipödems?

Die Beantwortung dieser Frage ist leider sehr schwierig. Es gibt zunehmend vermehrt gute Ärzte, die es verstehen, das Lipödem abzusaugen. Hierbei sind drei Punkte hinsichtlich der Technik relevant:

  • Absaugen in Tumeszenzanästhesie
  • Kleine Kanülen
  • Absaugung in lymphologischer Richtung, also in Längsrichtung des Beines

Leider gibt es keinen Facharzttitel, der die Qualität des Arztes garantiert, der die Fettabsaugung durchfürt. Der Facharzt für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie beinhaltet rekonstruktive Chirurgie (z.B. Gewebedefekte am Körper rekonstruieren, Brüste aufbauen nach Krebsoperationen etc.), die Ärzte führen jedoch während ihrer Ausbildung kaum eine Fettabsaugung durch. Auch sogenannte Qualitätszentren wie Acredis sind keine neutralen Institutionen, sondern kommerzielle Vereine, die Ärzte vermitteln, welche sich mit einer hohen Gebühr einkaufen. Die Ausbildung zur Absaugung von Fett und speziell von Lipödemen holt sich ein Arzt üblicherweise ausserhalb der Facharztausbildung auf Kongressen oder im Austausch mit anderen Ärzten, die das schon lange durchführen, und bei denen dann ein Praktikum absolviert werden kann. Die meisten Ärzte, die gute Fettabsaugungen durchführen, haben den Facharzt für Plastische Chirurgie, Facharzt für Dermatologie oder Facharzt für Allgemeinmedizin mit vertiefter chirurgischer Ausbildung. Leider sind jedoch Diplome oder Titel alleine noch keine Garantie für Qualität bei Liposuktionen: Ich bilde selbst regelmässig Ärzte aus dem In- und Ausland aus und mir fällt immer wieder auf, wie manche Professoren sehr unpraktisch operieren, während andere “einfache Ärzte“ eine unglaubliche Operationsbegabung zeigen.

Worauf würden Sie bei der Arztsuche achten?

Ich würde nach der Anzahl seiner Absaugungen pro Jahr, also nach seiner Erfahrung, fragen. Der Grund dafür ist ganz einfach: Sollte ein Arzt, der viele Eingriffe durchführt, dies nicht kompetent und professionell tun, dann wäre er so sehr mit Haftpflichtprozessen beschäftigt, dass er nicht mehr arbeiten dürfte. Ein Arzt, der bereits viele Absaugungen erfolgreich durchgeführt hat, sollte bereits alle Spezialfälle einmal erlebt und entsprechend Routine haben. Ein Arzt mit Erfahrung sollte pro Jahr mindestens 200-300 Eingriffe durchführen und gesamthaft mindestens 2000 Fettabsaugungen in der Vergangenheit durchgeführt haben. Ich persönlich sauge seit 1998 ab und habe inzwischen fast 10 000 Patienten abgesaugt mit einer Frequenz von 700 Liposuktionen pro Jahr. Tipp: Fragen Sie bei Ihrem Beratungsgespräch nach der Erfahrung des Arztes sowie seiner Ausbildung. Fragen Sie nach Adressen behandelter Patienten, und lassen Sie sich seine Technik genau erklären. Arbeitet er wirklich nach den angegebenen Prinzipien? Der ideale Arzt verfügt über eine geprüfte Weiterbildung auf dem Gebiet der Venen (Fähigkeitsausweis Phlebologie) und kann auch mit dem Ultraschall umgehen (Fähigkeitsausweis Ultraschall, spez. Gefässe). Bei solch einem Arzt erhalten Sie die gesamte Behandlung “aus einer Hand“, d.h. der Arzt kann selbst die gesamte Abklärung wie auch Behandlung durchführen.

Muss die Fettabsaugung im Stehen durchgeführt werden?

Nein, gerade beim Absaugen der Unterschenkel ist dies auch gar nicht möglich. Durch den Einsatz der Tumeszenzanästhesie ist der Effekt der Schwerkraft aufgehoben und ein Eingriff im Stehen nicht notwendig. Manche Ärzte saugen im Stehen ab, weil sie das Gefühl haben, sie erzielen somit bessere Ergebnisse. Das mag für diese Ärzte individuell gelten, weil sie ansonsten schlechte Ergebnisse haben. Ein Absaugen im Stehen hat sich nirgends weltweit als der goldene Standard durchgesetzt, sondern gilt eher als eine Technik von Exoten.

Braucht es eine Voll- oder Teilnarkose für die Absaugung?

Wie schon erklärt braucht es weder noch, weil die Tumeszenzanästhesie eine Schmerzfreiheit garantiert. Leider gibt es viele Ärzte, die aus Bequemlichkeit („der Patient soll schlafen, sonst muss ich ja mit ihm reden“) darauf bestehen, dass der Patient eine Narkose erhält. Hierdurch steigt das Risiko des Eingriffes für Komplikationen wie Thrombosen, Lungenembolien sowie für Narkosezwischenfälle massiv an. Fast alle grossen tödlichen Komplikationen bei einer Fettabsaugung sind auf Narkosezwischenfälle oder Lungenembolien zurückzuführen.

Was kostet eine Fettabsaugung meines Lipödems?

Es gibt keine einheitliche Preistabelle für die Absaugung eines Lipödems, die Preise schwanken zwischen CHF 3 000.00 und CHF 30 000.00. Ich rate zum Einholen mehrerer Offerten.

Zahlen die Krankenkassen die Behandlung des Lipödems?

Leider zahlt zur Zeit fast keine Krankenkasse die Absaugung eines Lipödems. Viele Ablehnungen von Kostengutsprachen haben zum Inhalt, die Patientin müsse einfach abnehmen oder es gäbe keine medizinische Indikation für die Gutheissung der Absaugung zu Lasten der Krankenkasse. Letztendlich heisst es dann auch oftmals, dass die Fettabsaugung des Lipödems keine etablierte Behandlungsmethode mit dokumentierten Langzeitergebnissen sei. Aus diesem Grund könne keine Gutsprache erteilt werden.

Studien beweisen: Die Fettabsaugung hilft beim Lipödem – erfolgreich und nachhaltig

Geschwollene, schwere Beine, die schmerzen und sich oftmals entzünden: Frauen, die unter einem Lipödem leiden, konnte bislang nicht dauerhaft geholfen werden. Lymphdrainagen oder Kompressionen linderten zwar zeitweise die Symptome, das Erscheinungsbild der Krankheit konnten sie aber nicht verhindern.

picture of healthy naked woman over whiteMit der Fettabsaugung setzt sich nun eine Therapieform durch, die an den Ursachen des Lipödems ansetzt. Verschiedene Zentren wie die Arbeitsgruppe um Prof. V. Schmeller in Lübeck oder Dr. M. Cornely in Düsseldort konnten in Studien belegen, dass durch eine Fettabsaugung nicht nur die Schwellungen und Schmerzen deutlich reduziert werden, sondern auch das ästhetische Erscheinungsbild des Lipödems massiv optimiert werden kann.

Das Lipödem ist eine fortschreitende Erkrankung, die ausschließlich bei Frauen auftritt. An einzelnen Körperstellen, zunächst vor allem an Hüfte und Oberschenkeln, sammelt sich dabei Fettgewebe an. Auch schlanke Frauen sind von dieser Fettverteilungsstörung betroffen. Bei ihnen ist der Kontrast zwischen dem schmalen Oberkörper und einer umfangreicheren, unteren Körperhälfte besonders stark ausgeprägt − die Proportionen stimmen nicht mehr. Im weiteren Verlauf der Erkrankung vermehrt sich auch an Unterschenkeln und Oberarmen das Unterhautfettgewebe. Die starke Vermehrung der Fettzellen führt zu einer erhöhten Produktion von Lymphflüssigkeit. Die Lymphgefäße können deren große Menge nicht mehr bewältigen, die Lymphflüssigkeit staut sich und es kommt zu Schwellungen, die empfindlich auf Druck reagieren. Die Patientinnen leiden unter Schmerzen in den Beinen, auch Entzündungen können auftreten.

Die Gründe für die Entstehung eines Lipödems sind noch nicht hinreichend geklärt. Da die Erkrankung aber vor allem in Phasen der hormonellen Umstellung − wie Pubertät, Schwangerschaft oder Wechseljahre − in Erscheinung tritt, wird ein Zusammenspiel von Veränderungen im Hormonhaushalt und genetischer Disposition vermutet.

Die Erkrankung schreitet unbehandelt stetig fort. Im fortgeschrittenen Stadium entstehen Schäden am eigentlichen Lymphsystem. Ein sekundäres Lymphödem, bei dem nun der fehlerhafte Transport der Lymphe am Anfang der Entstehung immer neuer Ödeme (Schwellungen) steht, kann zu weiteren schmerzhaften Komplikationen führen. In sehr seltenen Fällen droht ein sogenanntes Elephantenbein als Extremform am Ende dieser Entwicklung.

Bisherige Therapieansätze konnten dem Fortschreiten der Erkrankung nicht viel entgegensetzen. Lediglich durch regelmäßige Lymphdrainagen und Kompressionen konnten Beschwerden verbessert und eine Beschädigung von Gefäßen und Nerven vermieden werden.

Einen neuen Therapieansatz bei Lipödemen bietet nun die Fettabsaugung, die schonend und dauerhaft die Ursachen des Lipödems bekämpft. Die Wirksamkeit der Liposuktion beim Lipödem beruht darauf, dass sie gezielt gegen die Fettzellen vorgeht, die ursächlich für die Störung des Lymphsystems verantwortlich sind. Mit der Fettabsaugung lässt sich außerdem eine ästhetische Verbesserung des Krankheitsbildes erreichen, was mit den bisherigen konservativen Methoden nicht möglich war. Durch die Verringerung der Fettzellen produziert der Körper auch weniger Lymphflüssigkeit. Das Lymphsystem ist nicht mehr überlastet, schmerzhafte Schwellungen gehen zurück.

Bei den modernen, gewebeschonenden Techniken der Fettabsaugung mit vibrierenden Kanülen ist das Risiko der Verletzung von Nerven und anderen Gewebestrukturen sehr gering, da der operierende Arzt keinen Druck auf das Gewebe ausübt. Auch die Gefahr von postoperativen Schwellungen ist so ausgesprochen gering. Die Tumeszenzlokalanästhesie, bei der eine Betäubungslösung in das Unterhautfettgewebe injiziert wird, hat bei Liposuktionen die Vollnarkose abgelöst, die mit einem deutlich höheren Komplikationsrisiko behaftet war. Mit feinsten Kanülen, die durch kleine Hautschnitte in das Unterhautfettgewebe eingeführt werden, saugt der Operateur sanft die überschüssigen Fettzellen ab. Schon wenige Wochen nach dem Eingriff sind die Schnitte nicht mehr zu sehen.

Die Liposuktion erweist sich als die derzeit beste Therapieform beim Lipödem. Eigene Studien zeigen dies auch: Über 90% aller abgesaugten Patientinnen waren nach dem Eingriff fast vollständig beschwerdefrei und gaben an, dass sie so gut wie keine Schwellungen mehr hatten. Über 80% waren mit dem ästhetischen Ergebnis sehr zufrieden und gaben an, ein völlig neues, besseres Lebensgefühl erhalten zu haben. Die restlichen 20% gaben an, sie sähen einen deutlichen Unterschied an ihren Beinen, hätten aber noch zusätzlich kräftige Muskeln, weswegen sich der Traum von ganz schlanken Beinen nicht erfüllt hätte. Fast alle Patientinnen waren von der Fettabsaugung so begeistert, dass sie diesen Eingriff sofort ihrer besten Freundin empfehlen würden.

Einziger Wermutstropfen: Noch werden die Kosten für die Fettabsaugung bei Lipödem von den Krankenkassen trotz erwiesener Wirksamkeit nur in ausgewiesenen Einzelfällen übernommen.