Sport und Bewegung gegen Lipödemleiden

Das Lipödem widersteht grundsätzlich allen Anstrengungen im Fitness-Studio. Zwar nimmt die körperliche Leistungsfähigkeit zu und die Muskeln wachsen, aber das Lipödem – d.h. die Fettverteilungsstörung – zeigt sich davon im Prinzip unbeeindruckt. Ganz im Gegenteil: Durch den Muskelaufbau wird das Bein- oder Armvolumen sogar noch erhöht, die Masse nimmt zu. Dies frustriert und verunsichert viele Patienten, da sie nicht richtig über das Krankheitsbild aufgeklärt wurden und sich mit falscher Hoffnung in das Bewegungsabenteuer stürzen.

Fakt ist, dass Sport die Symptome und die Beschwerden der Erkrankung massiv verringern kann. Aus diesem Grund empfiehlt sich regelmässige Bewegung, auch wenn diese per se nicht zu dünnen Beinen führen wird.

Sportliche Betätigung regt die Wadenmuskulaturpumpe an, was den Abtransport von venösem Blut/Lymphe aus dem Beingewebe optimiert und gleichzeitig die Flüssigkeitsdurchlässigkeit der Kapillaren verbessert. Alles was mit der Bewegung der Beine zu tun hat, verbessert die Schwellungstendenz und Symptomatik in den Beinen.

Grundsätzlich spielt der durchgeführte Sport keine grosse Rolle, Hauptsache Bewegung! Ideal wäre es, wenn das Sprunggelenk bewegt und der Fuss gut abgerollt wird; dieses Bewegungsmuster führt fast immer zu einer Linderung der Beschwerden sowie einer Reduktion der Schwellungstendenz in den Beinen. Wandern, Walking, Nordic Walking, Joggen, Aquafit, aber auch Tanzen und weitere Sportarten, die die Beine bewegen, sind deshalb besonders zu empfehlen.

Wer keine Zeit für Sport hat, kann die Muskelwadenpumpe durch das Tragen eines speziellen Schuhes betätigen. Der MBT (Massai Barfuss Technologie) Schuh bringt vielen Patienten eine massive Linderung der Beschwerden, weil bei jedem ganz normalen Schritt im Sprunggelenk optimal abgerollt und die Wadenmuskelpumpe somit bestens betätigt wird. Inzwischen gibt es einige Nachahmermodelle, die ebenfalls sehr wirksam sein können. Am besten probieren Sie mehrere Schuhe aus, um das Modell zu finden, in dem Sie sich am wohlsten fühlen.

 

Studien beweisen: Die Fettabsaugung hilft beim Lipödem – erfolgreich und nachhaltig

Geschwollene, schwere Beine, die schmerzen und sich oftmals entzünden: Frauen, die unter einem Lipödem leiden, konnte bislang nicht dauerhaft geholfen werden. Lymphdrainagen oder Kompressionen linderten zwar zeitweise die Symptome, das Erscheinungsbild der Krankheit konnten sie aber nicht verhindern.

picture of healthy naked woman over whiteMit der Fettabsaugung setzt sich nun eine Therapieform durch, die an den Ursachen des Lipödems ansetzt. Verschiedene Zentren wie die Arbeitsgruppe um Prof. V. Schmeller in Lübeck oder Dr. M. Cornely in Düsseldort konnten in Studien belegen, dass durch eine Fettabsaugung nicht nur die Schwellungen und Schmerzen deutlich reduziert werden, sondern auch das ästhetische Erscheinungsbild des Lipödems massiv optimiert werden kann.

Das Lipödem ist eine fortschreitende Erkrankung, die ausschließlich bei Frauen auftritt. An einzelnen Körperstellen, zunächst vor allem an Hüfte und Oberschenkeln, sammelt sich dabei Fettgewebe an. Auch schlanke Frauen sind von dieser Fettverteilungsstörung betroffen. Bei ihnen ist der Kontrast zwischen dem schmalen Oberkörper und einer umfangreicheren, unteren Körperhälfte besonders stark ausgeprägt − die Proportionen stimmen nicht mehr. Im weiteren Verlauf der Erkrankung vermehrt sich auch an Unterschenkeln und Oberarmen das Unterhautfettgewebe. Die starke Vermehrung der Fettzellen führt zu einer erhöhten Produktion von Lymphflüssigkeit. Die Lymphgefäße können deren große Menge nicht mehr bewältigen, die Lymphflüssigkeit staut sich und es kommt zu Schwellungen, die empfindlich auf Druck reagieren. Die Patientinnen leiden unter Schmerzen in den Beinen, auch Entzündungen können auftreten.

Die Gründe für die Entstehung eines Lipödems sind noch nicht hinreichend geklärt. Da die Erkrankung aber vor allem in Phasen der hormonellen Umstellung − wie Pubertät, Schwangerschaft oder Wechseljahre − in Erscheinung tritt, wird ein Zusammenspiel von Veränderungen im Hormonhaushalt und genetischer Disposition vermutet.

Die Erkrankung schreitet unbehandelt stetig fort. Im fortgeschrittenen Stadium entstehen Schäden am eigentlichen Lymphsystem. Ein sekundäres Lymphödem, bei dem nun der fehlerhafte Transport der Lymphe am Anfang der Entstehung immer neuer Ödeme (Schwellungen) steht, kann zu weiteren schmerzhaften Komplikationen führen. In sehr seltenen Fällen droht ein sogenanntes Elephantenbein als Extremform am Ende dieser Entwicklung.

Bisherige Therapieansätze konnten dem Fortschreiten der Erkrankung nicht viel entgegensetzen. Lediglich durch regelmäßige Lymphdrainagen und Kompressionen konnten Beschwerden verbessert und eine Beschädigung von Gefäßen und Nerven vermieden werden.

Einen neuen Therapieansatz bei Lipödemen bietet nun die Fettabsaugung, die schonend und dauerhaft die Ursachen des Lipödems bekämpft. Die Wirksamkeit der Liposuktion beim Lipödem beruht darauf, dass sie gezielt gegen die Fettzellen vorgeht, die ursächlich für die Störung des Lymphsystems verantwortlich sind. Mit der Fettabsaugung lässt sich außerdem eine ästhetische Verbesserung des Krankheitsbildes erreichen, was mit den bisherigen konservativen Methoden nicht möglich war. Durch die Verringerung der Fettzellen produziert der Körper auch weniger Lymphflüssigkeit. Das Lymphsystem ist nicht mehr überlastet, schmerzhafte Schwellungen gehen zurück.

Bei den modernen, gewebeschonenden Techniken der Fettabsaugung mit vibrierenden Kanülen ist das Risiko der Verletzung von Nerven und anderen Gewebestrukturen sehr gering, da der operierende Arzt keinen Druck auf das Gewebe ausübt. Auch die Gefahr von postoperativen Schwellungen ist so ausgesprochen gering. Die Tumeszenzlokalanästhesie, bei der eine Betäubungslösung in das Unterhautfettgewebe injiziert wird, hat bei Liposuktionen die Vollnarkose abgelöst, die mit einem deutlich höheren Komplikationsrisiko behaftet war. Mit feinsten Kanülen, die durch kleine Hautschnitte in das Unterhautfettgewebe eingeführt werden, saugt der Operateur sanft die überschüssigen Fettzellen ab. Schon wenige Wochen nach dem Eingriff sind die Schnitte nicht mehr zu sehen.

Die Liposuktion erweist sich als die derzeit beste Therapieform beim Lipödem. Eigene Studien zeigen dies auch: Über 90% aller abgesaugten Patientinnen waren nach dem Eingriff fast vollständig beschwerdefrei und gaben an, dass sie so gut wie keine Schwellungen mehr hatten. Über 80% waren mit dem ästhetischen Ergebnis sehr zufrieden und gaben an, ein völlig neues, besseres Lebensgefühl erhalten zu haben. Die restlichen 20% gaben an, sie sähen einen deutlichen Unterschied an ihren Beinen, hätten aber noch zusätzlich kräftige Muskeln, weswegen sich der Traum von ganz schlanken Beinen nicht erfüllt hätte. Fast alle Patientinnen waren von der Fettabsaugung so begeistert, dass sie diesen Eingriff sofort ihrer besten Freundin empfehlen würden.

Einziger Wermutstropfen: Noch werden die Kosten für die Fettabsaugung bei Lipödem von den Krankenkassen trotz erwiesener Wirksamkeit nur in ausgewiesenen Einzelfällen übernommen.