Kompressionsverbände und -strümpfe beim Lipödem

Sicherlich nehmen die Kompressionsverfahren eine entscheidende Rolle unter allen Therapieverfahren ein. Durch eine Erhöhung des Drucks auf die Beine (oder seltener: Arme) wird der Rückfluss aus Venen und Lymphgefässen erheblich gesteigert. Wer Kompressionsmaterialien trägt oder sich eine Bandage anlegt, bei dem strömt bereits in Ruhe 50% mehr Flüssigkeit aus den Beinen zurück. Dieser Effekt verstärkt sich vor allem durch gleichzeitige Bewegung, da die Beinmuskulatur das Gewebe dann gegen das Kompressionsmaterial drückt, was zu einer zusätzlichen Entstauung führt. 

Am häufigsten helfen Strümpfe mit Kompression, Verbände sind umständlich und selten nötig.

Bei der Kompression ist grundsätzlich erlaubt, was hilft. In manchen Fällen ist eine leichte Kompression (ein sogenannter “Stützstrumpf“) bereits eine grosse Erleichterung, in anderen Fällen benötigt es höhere medizinische Klassen und ganz selten auch einmal die sogenannte “komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE)“, eine Kombination aus manueller Lymphdrainage sowie fester Dauerkompression. Je nach Ausprägung des Lipödems kann es z.B. im Stadium 3 nur schwer möglich sein, eine entsprechende Bestrumpfung zu finden, die noch tragbar ist und nicht einschnürt. Hier kann es nötig sein, zuerst die komplexe physikalische Entstauungstherapie durchzuführen, die aus der Kombination von Lymphdrainage und Bandagen besteht. Sie verbessert die Weichteilverformung und ermöglicht dann die Bestrumpfung.

Aufgrund der teilweise grotesken Fettansammlungen im Bein − und auch aufgrund der häufigen Beinempfindlichkeit für Druck und Berührung − wird eine Bestrumpfung häufig nur schlecht vertragen und oftmals nicht toleriert. Es ist anzumerken, dass in fast allen Fällen eines Lipödems der Kompressionsstrumpf nur zur Linderung der Beschwerden und Schwellung Sinn macht, wobei es dem Patienten überlassen bleibt, ob er den Strumpf tragen möchte oder nicht. Der Strumpf kann die statische Komponente des Lipödems (die Fettansammlung) nicht beeinflussen und keine Verschlechterung verhindern. Wer also den Strumpf oder auch Verbände nicht verträgt, d.h. sich damit schlechter fühlt, muss diese auch nicht tragen!

Die Kompression kann im Einzelfall die Symptome lindern und die Schwellung reduzieren, das Lipödem heilen kann sie nicht.

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Einteilung des Lipödems

In seiner Entwicklung durchläuft das Lipödem drei Stadien, die ineinander übergehen können, aber nicht unbedingt müssen. 

Einteilung des Lipödems in Stadien

Bilder mit freundlicher Erlaubnis Lipödemklinik in Walchsee/Tirol

Zunächst ist die Haut noch glatt, aber die Unterhaut (Subkutis) verdickt sich und das Fettgewebe scheint feinknotig strukturiert. Dies ist das häufigste Stadium 1. Anamnestisch klagen die Patienten über die Schwellung der Beine oder Arme beim Sitzen oder Stehen, die sich dann nachts im Liegen zurückbildet. Dieses Stadium bleibt oftmals ein Leben lang gleich, sofern das Gewicht in etwa unverändert bleibt. Es kann sich jedoch in Einzelfällen verschlechtern: Die häufigste Ursache für eine Verschlechterung ist mit Sicherheit eine starke Gewichtszunahme. Jede Zunahme an Gewicht führt zu einer unproportionalen Fetteinlagerung in den Beinen, die bei einer Gewichtsreduktion zu einem späteren Zeitpunkt nur schwer wieder verloren werden kann.

Stadium 1 kann in das Stadium 2 übergehen: Hierbei kommt es zu grobknotigen Veränderungen des Fettgewebes, die Hautoberfläche wird uneben.

Wie sieht ein Lipödem ausIm Stadium 3 bilden sich dann ausgeprägte Hautdeformierungen mit derben Fettlappen. Es kommt aufgrund der wulstartigen Schwellungen zu Schürfungen und Entzündungen an den Beininnenseiten.

Lipödeme sind grundsätzlich genetisch bedingt, können aber auch ohne ähnliche Fälle in der Familie auftreten.

Mit Carboxytherapie gegen Schmerzen beim Lipödem

Lipödeme können entweder nur ästhetisch stören oder aber sehr stark schmerzen. Schweregefühle, Schwellungstendenz sowie Berührungs- und Druckempfindlichkeiten sind nur einige der Symptome, die von Patienten angegeben werden.

Gegen die Beschwerden helfen in einer ersten Stufe Behandlungen wie der Kompressionsstrumpf, die manuelle Lymphdrainage (und ihre Kombination) sowie Medikamente etc.

Neu kann auch Carboxytherapie erfolgreich gegen Beschwerden eingesetzt werden. An der Innenseite des Beines wie auch in der Wadenregion wird mit einer feinen Nadel Kohlendioxidgas unter die Haut eingeführt, das dort vor Ort zu einer starken Durchblutungsanregung und Sauerstoffanreicherung führt. Das Ergebnis ist ein besserer Lymphabfluss. Die Folge: Die Beinschwellung nimmt ab, die Beschwerden werden gelindert und verschwinden sogar oftmals vollständig. Je nach Intensität der Symptome benötigt es 4-10 Behandlungen, manchmal auch mehr, bis sich die gewünschten Effekte einstellen. Eine Therapiesitzung dauert ca. 30 Minuten, und direkt danach kann der Patient wieder an die Arbeit zurück, Sport treiben etc. etc.

Die Kosten betragen CHF 80 pro Sitzung, die Krankenkassen bezahlen diese Behandlung im Rahmen einer Zusatzversicherung für Naturheilverfahren.

Wie können Lymphödem und Lipödem voneinander unterschieden werden?

Das Lipödem ist eine chronische, symmetrische Zunahme von Unterhaut-Fettgewebe, das meistens nur bei Frauen auftritt. Am häufigsten sind dabei die Beine betroffen, das Lipödem kann jedoch auch an den Armen auftreten. Obwohl das Lipödem nicht durch eine Störung des Lymphsystems verursacht wird, wird es sehr oft mit einem Lymphödem verwechselt.

Primäres bilaterales Lyphödem
Primäres bilaterales Lymphödem

Es bestehen eindeutige Differenzen zwischen einem Lip- und einem Lymphödem:

Während das Lipödem beide Beine symmetrisch befällt, betrifft das Lymphödem meist nur ein Bein. Mittels eines „Stemmer-Tests“ kann einfach untersucht werden, ob ein Lymphödem vorliegt. Bei diesem Test wird die Haut auf der Oberseite des ersten kleinen Zehens (neben dem grossen Zeh) mit dem Zeigefinger und dem Daumen zusammen gedrückt. Wenn dabei die zusammengedrückte Haut nicht richtig greifbar wird, bzw. sich nicht nach oben ziehen lässt (da bereits Bindegewebeablagerungen unter der Haut dies verhindern), ist der Stemmer-Test positiv und es handelt sich um ein Lymphödem.

Fatty nodules in lipedema
Fettauffaltungen

Die Unterschiede auf einem Blick:

Lipödem Lymphödem
symmetrische Beinschwellung meist einseitige Beinschwellung
Füsse nicht betroffen Füsse sind betroffen
negativer Stemmer-Test positiver Stemmer-Test
Gewebe unregelmässig, weich Gewebe relativ fest, regelmässig
schmerzhaft bei Berührung generell nicht schmerzhaft
leicht quetschbar nicht quetschbar

 Stemmar-Test Lymphödem
Positiver Stemmer-Test links